Von Ausflügen, Enttäuschungen und neuen Erkenntnissen

Wie der Titel es schon verrät, wird es in diesem Beitrag etwas persönlicher. Es geht weniger um meine Arbeit als Fotografin, sondern um eine kleine Enttäuschung, die auf den zweiten Blick gar keine war. In dieser Situation hatte ich Scheuklappen vor den Augen und einen genauen Plan im Kopf. Dass das zum Scheitern verurteilt war, muss ich wohl nicht erwähnen.
Aber wer kennt das nicht? Man freut sich riesig auf etwas, in meinem Fall einen Ausflug in den Harz, und es läuft einfach nicht so wie man es gerne hätte. Wie ich damit umgegangen bin, was ich gefühlt habe und wie der Tag schlussendlich doch noch ein Erfolg wurde, möchte ich mit euch teilen. Ich glaube, das Prinzip lässt sich auf einige Bereiche und Situation übertragen, sowohl beruflich als auch privat.

Aber erstmal zum Anfang. Es sollte eine ganz harmonischer Tag im Nationalpark Harz mit einem Besuch des Brockens werden, so viel war klar. Viel mehr wusste ich aber nicht, da meine Begleiter alles organisiert und geplant hatten. Und so kam es dazu, dass ich direkt den ersten Fehler gemacht habe. Ich habe mir den Tag genau vorgestellt, was ich sehen werde, was ich fotografieren kann, was wir unternehmen werden.


Ich wollte durch den frühen herbstlichen Wald wandern, ich hatte die Vorstellung von einen wunderschönen Märchenwald im Kopf, mit tollen Farben und unberührter Natur. ( Das kommt bestimmt durch die ganzen Fantasyromane und Filme). Auf jeden Fall war ich motiviert und voller Vorfreude, auch noch als es hieß wir fahren mit der Brockenbahn hoch. Die alte Harzer Schmalspurbahn hat mich ein wenig an den Hogwartsexpress erinnert (Fantasy und so). Die Fahrt nach oben hat schon für großen Enttäuschung gesorgt. Das Waldsterben rund um den Brocken hat einem jegliche Freude an der eigentlich großartigen Aussicht über das ganze Gebiet genommen. Oben angekommen wurde ich von den vielen Menschen erschlagen. Damit hatte ich an einem Mittwoch nicht gerechnet. Man hatte nicht die Möglichkeit sich einen stillen Fleck zu suchen und den Augenblick zu genießen. Ab hier war meine Laune komplett im Keller – ich war einfach nur enttäuscht. Zuerst war ich von der Situation enttäuscht, dann aber recht schnell auch von mir! Warum hatte ich so große Erwartungen? Warum konnte ich nicht ohne Erwartungen diesen Ausflug antreten? Diese Gefühle in mir haben dann schließlich dafür gesorgt, dass die Kamera im Rucksack geblieben ist und ich einfach keine, für mich in diesem Moment, schönen Motive gesehen habe.

Es war ein recht kurzer Aufenthalt auf dem Berg und wir sind mit gedrückter Stimmung wieder mit der Bahn runtergefahren. Das heißt ich konnte auch nicht durch die mich erdende Natur wandern. Doch diese und das gleichmäßige rattern der Bahn hatten eine leicht meditative Wirkung auf mich. Noch während der Fahrt habe ich mich selbstreflektiert und meine Fehler gefunden. Ich habe schnell eingesehen, dass ich spontaner sein könnte und nicht mit Scheuklappen einen Plan verfolgen dürfte. Vielleicht hätte ich so das Beste aus der Situation gemacht und wäre zwar mit anderen Fotos, aber immerhin mit Fotos, nach Hause gekommen. Alleine dieser Erfolg meiner Selbstreflektion hat meine Laune gehoben und meine Kreativität hat einen kleinen Schubs bekommen.

Ich bin den Rest des Tages anders angegangen und habe gemerkt, dass meine Kreativität durch das unerwartete und teilweise ungeplante, gefördert wird. Es muss nicht immer alles nach Plan laufen (in einigen Fällen sollte man aber doch einen haben ;)) man kann sich von dem Unbekannten überraschen lassen. Sich treiben und seiner Kreativität ihren Lauf lassen. Mit guter Laune darüber, das dieses Erlebnis mich in meiner Persönlichkeit weitergebracht hat und ich eine neue Erfahrung gemacht habe, ging es unten angekommen erstmal in ein gutes Restaurant um uns zu stärken.
Und siehe da, es kam doch noch was Positives. Wir haben beschlossen, noch zum Schloss Wernigerode zu laufen. Ich glaube ich muss nicht erwähnen, dass mein Fantasy-Herz drei Sprünge gemacht hat. Der Weg war steil aber es hat sich definitiv gelohnt. Der Ausblick war traumhaft und es hat sich ein wunderschöner Sonnenuntergang angekündigt. Diesen haben wir uns dann aber vom Riesenrad aus angesehen, was auf jeden Fall die richtige Entscheidung war.

Alles in allem war der Tag also doch ein voller Erfolg und gleichzeitig lehrreich für mich. Ich bin nicht enttäuscht über die anfänglichen Schwierigkeiten, ich bin sogar dankbar für diesen Moment, da ich mich so noch besser kennengelernt habe und die Chance bekommen habe, zu wachsen.
Vielleicht habt ihr ähnliche Erfahrungen und Erkenntnisse gemacht. Vielleicht aber auch noch nicht und ihr denkt an meine Situation, sollte dieser Moment bei euch eintreffen.
Wie auch immer es ist, es ist gut, dass wir solche Erfahrungen machen und aus allem das Beste mitnehmen!